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Knorpelschaden

Knorpeltherapie

In den letzten Jahren hat sich eine Vielzahl von Therapieverfahren für Knorpelverletzungen etabliert. Neue Erkenntnisse über die Biologie des Knorpels und die verbesserten technischen Möglichkeiten einer gezielten Gelenkknorpelbehandlung machen es möglich, die Struktur und Funktion der Gelenkflächen wieder sehr gut herzustellen. Eine Knorpelverletzung muss also keineswegs zwangsläufig zu einer Arthrose führen. Alle diese Therapieverfahren sind hoch spezialisierte Eingriffe und müssen in jedem Fall für jeden Patienten individuell besprochen werden.

Konservative Therapie des Knorpelschadens

Zur Entlastung der geschädigten Knorpelzone stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Durch spezielle Funktionsschienen (Orthesen) oder auch Einlagen kann eine Entlastung der verletzten Gelenkfläche erfolgen. Durch physikalische Anwendungen wie Ultraschall, Kälte – und Wärmeapplikation oder Lymphdrainage werden entzündliche Begleitveränderungen an der Gelenkkapsel sowie der Stoffwechsel positiv beeinflusst. Medikamente wie Ibuprofen, Diclofenac oder auch Enzympräparate dienen der Abschwellung und Schmerzreduktion. Sie sind besonders in der Akutphase geeignet.  Es gibt auch Nahrungsergänzungsprodukte für die Knorpelregeneration. Die Zusammensetzung ist sehr unterschiedlich. Zweck ist im Wesentlichen, die entsprechenden biologischen Bausteine des Knorpels dem Körper zuzuführen. Oft verspüren die Patienten einen lindernden Effekt. 

Tissue Response Verfahren

Dabei nutzen wir die Fähigkeit unseres Körpers, aus körpereigenen Regenerationszellen (Stammzellen) wieder neues Knorpelgewebe aufzubauen. Über kleinere Bohrungen, besser noch durch kleine gezielte Knochenbrüche (sog. Mikrofrakturierung) in die unter dem Knorpel liegende Knochenschicht tritt Blut in den Defekt ein. Aus diesen Zellen bildet sich ein Ersatzknorpel, ein Faserknorpel. Dieser ist nicht identisch mit dem „Original“ – Knorpel, dem hyalinen Knorpel. Das neue Gewebe ist weicher und weniger stoßfest. Es eignet sich für kleine Defekte bis 2 qcm. Nach der Operation darf das Gelenk 6 Wochen nur teilbelastet werden. Bewegungen sind erlaubt. Besonders jüngere Patienten profitieren von diesem Verfahren.

Knochen – und Knorpeltransplantation

Osteochondrale Transplantation
Bei diesem Verfahren werden ein oder mehrere Zylinder verpflanzt, die aus einer kompletten Schicht des hochwertigen hyalinen Knorpels mit dem darunter liegenden Knochen bestehen. Der Vorteil dieser Technik ist die schnelle und stabile Einheilung des Transplantates. Die im Durchmesser ca. 6 – 8 mm großen Zylinder werden aus einer weniger belasteten Zone des Gelenkes entnommen und in ein vorbereitetes gleichgroßes Bett eingepresst. Die Methode ist aber nur für kleinere Flächen geeignet. Setzt man mehrere Zylinder aneinander, nennt man die Methode auch Mosaikplastik. Die auf diese Weise „reparierbare“ Fläche ist begrenzt. Es eignen sich umschriebene Defekte von bis zu 3 cm2.
 
Autologe Chondrozytentransplantation
Das Verfahren, auch ACT abgekürzt, eignet sich für größere Defekte. Es werden Knorpelzellen aus dem eigenen Gelenk entnommen und auf einer Trägerschicht, einer Matrix, als flächenhafter neuer Knorpelbelag angezüchtet. Es sind also 2 operative Eingriffe erforderlich in einem Zeitabstand von ca. 4 Wochen. Die entnommenen Zellen werden an Speziallabore geschickt. Das fertige Knorpelgewebe wird dann über eine zweite Operation mit kleinem Schnitt auf den Defekt im Gelenk aufgelegt und mit feinen Nähten oder Kleber befestigt. Danach darf das Gelenk zwar bewegt werden, eine Entlastung ist aber für die Zeit der Einheilung erforderlich und kann durchaus 8 Wochen dauern. Besonders jüngere Patienten mit traumatischen Knorpelschäden profitieren von diesem Verfahren. Die Knorpelschäden dürfen auch hier nur begrenzt sein.

Knorpelbefestigung

Frisch abgerissene Knorpelteile, die evtl. sogar noch eine knöcherne Schale an ihrer Basis tragen, eignen sich zur direkten Befestigung. Man nutzt dazu kleine nagelähnliche Stifte, die sich wieder selbst auflösen. Auch eine Schraube kann benutzt werden, diese wird aber meist in einer zweiten Operation wieder entfernt. Die Methode eignet sich besonders bei frischen unfallbedingten Verletzungen.

Zusätzliche Maßnahmen

Leider sind Knorpelschäden meist mit Begleitschäden verbunden. Es muss deshalb immer gründlich nach Verletzungen des Meniskus, der Kreuzbänder und Seitenbänder am Kniegelenk gesucht werden. Für alle anderen Gelenke gelten diese Regeln natürlich entsprechend der Anatomie auch. Ist das Gelenk wegen einer solchen Zusatzverletzung instabil, hat die alleinige Knorpeltherapie keine Erfolgsaussicht. Es müssen immer die Zusatzverletzungen mitbehandelt werden. Die genaue Vorgehensweise ist individuell zu besprechen. Auch eine Fehlbelastung einer Gelenkzone durch starke Achsenabweichung wie beim X – oder O – Bein limitiert die Knorpeltherapie. In diesen Fällen ist zu prüfen, ob eine Achsenkorrektur, eine Umstellungsosteotomie, dem Verfahren vorangestellt werden muss oder ob sie gar als alleinige Methode zum Ziel führt.

Umstellungsosteotomie

Umstellung am Oberschenkel

Umstellung am Oberschenkel

Diese Verfahren sind besonders am Bein erforderlich. Am häufigsten geht es dabei um Fehlbelastungen durch Achsenfehlstellungen am Kniegelenk. Angeborene Fehlstellungen, Fehlwachstum nach Knochenbrüchen oder sonstige erworbene Abweichungen der Tragachse führen zu Belastungspitzen einer umschriebenen Gelenkzone. Dort entwickelt sich dann ein Knorpelschaden. Das Ziel der Korrekturverfahren ist es, diese Achse auf die richtige Belastunglinie zu korrigieren und damit die Schädigung vom Knorpel zu nehmen. Damit lassen sich die Schmerzen im Kniegelenk reduzieren und die Lebensqualität steigern.

 
 
Umstellung am Unterschenkel

Umstellung am Unterschenkel

Die operative Korrektur kann je nach Situation am Oberschenkel oder Unterschenkel erfolgen. Der Knochen muss dabei durchtrennt und im Spalt geöffnet oder geschlossen werden, je nach Richtung der gewünschten Korrektur. Der „künstliche Bruch“ wird mit modernen Osteosyntheseverfahren (winkelstabilen Platten und Schrauben) stabilisiert, so dass der Patient nach kurzer Zeit unter Teilbelastung bis zur Heilung des Knochens gehen kann. Ob eines der o.g. Verfahren zusätzlich in Frage kommt, ist individuell zu klären. Das Fortschreiten des Knorpelschadens und die Entwicklung einer flächenhaften Knorpel – und Knochenschädigung, die Arthrose, soll dadurch vermieden werden.
 
 
 
 
 
 

Künstlicher Gelenkersatz, Endoprothetik

Ist die Schädigung des Knorpels weit fortgeschritten und es hat sich eine Arthrose mit Schmerzzuständen und Bewegungsdefizit entwickelt, ist die Möglichkeit des künstlichen Gelenkersatzes gegeben. Dafür stehen am Kniegelenk verschiedene Prothesen zur Verfügung, die einen Teilersatz oder vollständigen Oberflächenersatz ermöglichen. Spezialprothesen für Bandschäden stehen ebenfalls zur Verfügung. Verfahren der Navigation erhöhen die Präzision und die langfristige Funktion des neuen Gelenkes.
 
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